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Sachsenhain: Himmlers Vermächtnis

Deutschland

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In Dauelsen, einem Ortsteil von Verden in Niedersachsen, liegt Sachsenhain, eine der von Heinrich Himmler, dem Chef der SS, eingerichteten Kulturstätten. Heute ist Sachsenhain ein Ort mit doppelter Bedeutung.

Auf der Westseite der Bahnstrecke nach Bremen, etwas oberhalb der Stadt Verden, liegt das Dorf Dauelsen. Hier befindet sich der Sachsenhain: eine zwei Kilometer lange, ovale Straße, die tief in die Landschaft hineinragt. An ihren Seiten stehen 4.500 große Felsbrocken, die zwischen 1934 und 1936 auf Befehl Himmlers aufgestellt wurden.

Himmler ließ den Ort als Teil einer umfassenderen Bemühung zur Entwicklung einer neuheidnischen, pseudogermanischen Religionskultur gestalten. Obwohl dies nie ganz gelang, bleibt das Vermächtnis bestehen.

Die Wahl des Ortes und die Anzahl der Felsbrocken waren kein Zufall. Himmler stützte sich auf eine Legende aus dem 19. Jahrhundert über ein blutiges Ereignis, das sich angeblich im Jahr 782 zugetragen hatte. Der Legende zufolge ließ Karl der Große 4.500 heidnische Sachsen in der Nähe von Verden hinrichten, weil sie sich weigerten, ihre germanische Religion aufzugeben und zum Christentum zu konvertieren. Dieses sogenannte „Sachsenmassaker” wurde im 19. Jahrhundert als eine Geschichte von sächsischem Heldentum und germanischem Stolz neu interpretiert. Zum Gedenken an die gefallenen Sachsen forderte Himmler die Aufstellung von 4.500 Felsblöcken.

Der Ort wurde dann zu einer Kulturlandschaft ausgebaut, einer Art Freiluftheiligtum, in dem Zeremonien und ideologische Versammlungen stattfinden konnten. Heute hat Sachsenhain eine doppelte Bedeutung. Die Kirche auf dem Gelände soll ein Ort der Inspiration für Toleranz sein. Gleichzeitig bleibt Sachsenhain ein Ort, an dem sich immer noch Neonazis versammeln.