Geschichte

Carl von Ossietzky: Pazifist, Journalist und Friedensnobelpreisträger

Deutschland

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Carl von Ossietzky leistete offen Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Deutschland. Als Journalist und Pazifist kritisierte er das Regime, die Rüstungsindustrie und die Verstöße gegen den Vertrag von Versailles. 1936 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen, den er jedoch nie entgegennehmen konnte.

Carl von Ossietzky wurde am 3. Oktober 1889 in Hamburg geboren. Er wuchs als Einzelkind in einer bürgerlichen Familie auf. Sein Vater starb, als er gerade einmal zwei Jahre alt war. Mit der Unterstützung seines Stiefvaters entwickelte er sich zu einem Intellektuellen mit großem Interesse an Geschichte und Literatur. Er war kein Wissenschaftler, sondern ein ausgeprägter Denker, der sich schon in jungen Jahren mit pazifistischen Idealen verbunden fühlte und begann, darüber zu schreiben. Als der Erste Weltkrieg näher rückte, hörte von Ossietzky damit auf, da er an die Westfront geschickt wurde. Nach der Niederlage des Deutschen Reiches wurde er einer der wichtigsten linken Journalisten.

Nach seiner Rückkehr von der Front arbeitete er zunächst als Sekretär für die Deutsche Friedensgesellschaft. Mitte der 1920er Jahre gab er diese Tätigkeit auf, um sich ganz dem Journalismus zu widmen. Er begann als Redakteur bei der Berliner Volkszeitung und wurde im Mai 1927 Chefredakteur der Weltbühne. Er schrieb über die Gefahren des Nationalsozialismus und die florierende Kriegsindustrie. Seine scharfe Kritik führte zu mehreren Gerichtsverfahren. Im November 1931 wurde er wegen Hochverrats zu sieben Monaten Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung setzte er seinen Kampf gegen den Faschismus fort.

Nach dem Reichstagsbrand 1933 begann die massenhafte Unterdrückung politischer Gegner durch das Nazi-Regime. Carl von Ossietzky gehörte zu den ersten, die verhaftet wurden. Er wurde in das Lager Esterwegen gebracht, eines von fünfzehn Lagern im Emsland, die kurz nach Hitlers Machtübernahme errichtet und in Betrieb genommen wurden. In diesen Lagern wurden die Häftlinge schwer misshandelt und zu harter Zwangsarbeit gezwungen. Trotz seiner Inhaftierung blieb von Ossietzky ein Symbol des friedlichen Widerstands gegen Ungerechtigkeit.

Obwohl Carl von Ossietzky noch im Lager Esterwegen inhaftiert war, wurde ihm am 23. November der Friedensnobelpreis verliehen. Deutsche Intellektuelle im Exil, darunter der spätere Bundeskanzler Willy Brandt, hatten sich erfolgreich für von Ossietzky eingesetzt. Diese Auszeichnung sorgte für Aufruhr. Die deutsche Regierung verbot ihm die Entgegennahme des Preises, und der deutschen Presse wurde untersagt, darüber zu berichten.

Zu diesem Zeitpunkt war von Ossietzkys Gesundheitszustand bereits stark verschlechtert. Die jahrelangen Misshandlungen und schlechten Lebensbedingungen im Lager hatten ihren Tribut gefordert. Am 4. Mai 1938 starb Carl von Ossietzky an den Folgen seiner Inhaftierung. Er wurde nur 48 Jahre alt. Die Universität in Oldenburg trägt heute zu Ehren seines Mutes und seiner Überzeugung seinen Namen.